FASZINIERENDE WEINE
AM KAP
WEIN-SAFARI IN SÜDAFRIKA

Gegen Ende 1970 führte das Streben um Qualität
dazu, dass die Weingärten mit besserem Pflanzmaterial, das speziell für
den Anbau in kühleren Küstenregionen entwickelt wurde, neu bepflanzt
wurden. |
Was sich derzeit in Südafrikas Weinwelt bewegt, ist spannend. Der
Weinbau in Südafrika hat denn auch eine lange Geschichte. 1652 gründete Jan
van Riebeeck eine Siedlung am Kap. Er erkannte das Potential in Klima und
Böden und bestellte Setzlinge aus Frankreich. Der erste südafrikanische Wein
wurde am 2. Februar 1659 gekeltert. Besonders der autochthonen Sorte
Pinotage wird heute zunehmend Aufmerksamkeit zuteil.
Bruno-Thomas Eltschinger
Im Jahre 1688 kamen die wegen ihres Glaubens verfolgten Hugenotten aus
Frankreich nach Südafrika und brachten gute Kenntnisse über den Weinanbau
mit. Sie liessen sich in Franschhoek (französisches Eck) nieder. Heute wird
der Weinbau nur noch in der Provinz Westkap in der südwestlichen Ecke
Südafrikas betrieben. Hier herrscht mediterranes Klima: sonnig und warm,
aber selten heiss, mit langen Sommern. Das Land ist bergig und auch der
Boden geeignet: Granitböden an den Berghängen und Malmesbury-Schiefer, die
beide gute Wasserspeichereigenschaften haben.
Der kalte Benguela-Strom, der vom Südwesten am Kap vorbei Richtung Norden
fliesst, sorgt in den küstennahen Regionen für ein Klima mit 450 bis 1000mm
Niederschlag pro Jahr. Im Landesinneren dagegen gibt es eher kontinentales
Klima mit z.T. weniger als 200mm Niederschlag. Die Winter sind mild und
frostfrei. 1973 wurde das «Wine of Origin»-System (W.O.) eingeführt, und die
Weinanbaugebiete wurden in Regionen, Distrikte und Gemarkungen (wards)
eingeteilt. Das W.O.-Zeichen zeigt, dass 100 Prozent der Trauben jeweils aus
dieser Region stammen müssen.

Seit 1973 existiert in Südafrika ein System
kontrollierter Herkunftsbezeichnungen (Wine of Origin). Das Weinland
Südafrika ist aufgeteilt in Regionen, die wiederum in Bereiche (Districts),
Lagen (Wards) und Weingüter (Estates) unterteilt sind. |
Nachfrage nach Rotweinen steigt
Viele Rebsorten, die in Südafrika angebaut werden, sind schon in den ersten
Jahren des Weinanbaus ins Land gekommen. Trotzdem hat sich der Geschmack
gewandelt: Herrschte im 17. und 18. Jahrhundert eine starke Nachfrage nach
süssen Dessertweinen (z.B. Muskateller), haben sich jetzt längst andere
Rebsorten durchgesetzt. Südafrika ist aber weiterhin ein Weissweinland. 75
Prozent der Rebsorten sind weiss, der Chenin blanc wird auf mehr als einem
Viertel der gesamten Fläche angebaut.
Da die Nachfrage nach Rotwein aus Südafrika ständig steigt, reagierten die
Winzer mit vermehrter Anpflanzung von z.B. Cabernet Sauvignon, Merlot und
Shiraz. Naturgemäss dauert es aber einige Zeit, bis frisch gepflanzte Reben
Ertrag erbringen. Schon 1925 kreuzte Professor Abraham Perold an der
Universität von Stellenbosch Pinot noir und Cinsaut und nannte die neu
entstandene Sorte Pinotage, aber erst 1961 kamen erste Pinotage-Weine auf
den Markt. Die Weine sind oft schon in jungen Jahren trinkbar, gewinnen aber
mit dem Alter an Frucht und Komplexität.
Das Weinland Südafrika unterteilt sich in fünf Regionen: Coastal, Boberg,
Breede River Valley, Oliifants River und Little Karroo. Die
Herkunftsbestimmung «Wine of Origin» unterscheidet zudem 11 Weinbaugebiete (Districts).
Für den Qualitätsweinbau sind Coastal Region und Breed River Valley am
bedeutendsten.
 |
Die wichtigsten Weine
Die weissen Sorten dominieren am Kap: 64 Prozent der Rebfläche sind mit
weissen Sorten bepflanzt. Dank der kühlen Winde und Nächte sind
südafrikanische Weissweine geprägt von frischer Frucht und feinen Aromen.
Die wichtigsten Weissweine sind: Chardonnay, Chenin blanc (Stehen),
Sauvignon blanc und Sémillon.
In den vergangenen zehn Jahren ist der Rotweinanteil von 16 auf 36 Prozent
der Anbaufläche gestiegen. Führend sind Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz
sowie die südafrikanische Spezialität Pinotage. Diese autochthone Rebsorte
findet bei Winzern und internationalen Weinkennern grosse Aufmerksamkeit.
Als die wichtigsten Rotweine gelten: Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinotage,
Pinot noir und Shiraz.
| Jahrgangstabelle:
|
| |
1992 |
1993 |
1994 |
1995 |
1996 |
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
2001 |
2002 |
| Rotweine |
16 |
16 |
18 |
18 |
15 |
16 |
19 |
17 |
18 |
18 |
14 |
| Weissweine |
19 |
16 |
17 |
19 |
16 |
19 |
16 |
17 |
16 |
17 |
16 |
19-20 überragend; 17-18 sehr gut; 15-16 gut; 13-14 durchschnittlich;
weniger als 13 gering |
|
Pinotage: Die Rebsorte Südafrikas
Pinotage ist eine reizvolle rote Sorte, die ausgeprägte Aromen roter Beeren
und Kirschen, von Wildkräutern, oft eine dezente Note von Bananenschalen
besitzt und einen ganz anderen Genuss schenkt als die internationalen
Standardsorten. Manchmal erinnert seine Frucht an Kompott und seine Würze an
Pinien und Zimt. Bisweilen reizt er wie Nagellack in der Nase. Mag mancher
Erzeuger die Aceton-Note auch als typisch anpreisen, sie ist auf zu früh
gelesene Trauben und eine zu niedrige Gärtemperatur zurückzuführen.
Pinotage ist eine Züchtung, die erstmals 1925 von Abraham Perold an der
Universität von Stellenbosch durchgeführt wurde. Er kreuzte Pinot noir mit
dem weit verbreiteten, mediterranes Klima schätzenden Cinsault. Völlig zu
Unrecht war Cinsault damals in Südafrika als «Hermitage» bekannt, was die
Namensbildung erklärt. Mit falscher Vinifikation und überhöhten Erträgen
lieferte der Pinotage unangenehme, ruppige Rotweine und konnte sich nur
begrenzt durchsetzen.
Als er dann noch 1976 der Kritik britischer Weinautoren ausgesetzt war, fiel
er endgültig in Ungnade, und seine Anbaufläche nahm stetig ab. Mit mehr
Verständnis für die natürlichen Voraussetzungen, die er verlangt, hat der
Pinotage inzwischen aber eine neue Karriere angetreten. Ausgerechnet im
Moment seiner geringsten Flächenausdehnung, als er nämlich 1990 nur noch 1,9
Prozent der angepflanzten Stöcke stellte, setzte ein zunehmendes Interesse
ein. Seither nimmt seine Fläche stetig zu, um inzwischen auf die
5-Prozent-Marke zuzusteuern.
Versteht man es auch inzwischen, aus jungen Pinotages sehr ansprechende,
fruchtbetonte und tiefdunkle Weine zu vinifizieren, stammen die besten
Resultate doch von alten, nicht bewässerten bush wines, im traditionellen
Gobelet-System erzogenen Reben. Dann gesellt sich zu den intensiven Aromen
ein fester Körper mit sehr eleganten Tanninen, die durch gekonnten
Barriqueausbau verfeinert werden. So steht der Pinotage in Stellenbosch,
seiner Hauptanbauzone, keineswegs hinter den grossen Bordeaux-blends oder
Shiraz zurück, sondern beweist faszinierenden Charakter und bestärkt seinen
Ruf als eigenständigste Sorte des Kaps.

In der Kapregion sind über 100 000 Menschen in der
Weinindustrie direkt beschäftigt, während weitere 200 000 Arbeitsplätze
von ihr abhängig sind. |
|
 |